Pilgern - was ist das?
1. Ziele
Pilgern ist eine der ältesten Formen des Unterwegsseins. Seit Jahrtausenden pilgern Menschen in fast allen Religionen zu heiligen Orten, um dort Gott oder einen Heiligen zu verehren, zu beten und Wandlung und Heilung zu erfahren. Im heutigen Hessen waren es vor allem das Grab des Heiligen Bonifatius in Fulda und das Grab der Heiligen Elisabeth in Marburg, die über Jahrhunderte viele Pilgerinnen und Pilger aus ganz Europa anzogen.
2. Wege
Nicht nur das Ziel, sondern auch der Weg dorthin waren den Pilgerinnen und Pilgern wichtig. Sie machten die Erfahrung, dass beim Gehen („.wallen', 'Wallfahrt') etwas in ihnen in Bewegung, zum Fließen kam, was erstarrt und verhärtet war.
Auch die modernen Pilgerinnen und Pilger haben eine Sehnsucht nach Verwandlung und Erneuerung ihres Lebens. Deshalb brechen sie aus ihrem Alltag auf, nehmen manchmal große Mühen auf sich, und kehren geläutert und verwandelt zurück.
3. Faszination dees Pilgerns
Die Faszination und das Geheimnis des Pilgerns liegen zunächst in der Fortbewegung auf den eigenen Füßen. Sie ist die dem Menschen ureigene und angemessene Art des Unterwegsseins und gibt wieder ein gutes Maß in einer maßlosen schnelllebigen Zeit. Die Verbunden¬heit mit der Natur, nah am Boden und unter dem offenen Himmel, wirkt heilsam und belebend bis in die Tiefen von Leib und Seele. Geistliche Impulse und Rituale (Schwei¬gen, Gebet. Meditation, Achtsamkeit etc.) werden zum Schlüssel der Selbst- und Gotteserfahrung und geben Orientierung auf dem Lebensweg.
4. Einladung
Sie können mit dem Pilgern vor der eigenen Haustür beginnen. Nicht nur der Jakobsweg in Spanien, sondern auch markierte Wege in Ihrer Region führen Sie zu heilsamen Orten und wenn Sie wollen bis nach Santiago de Compostela. Die meisten Kirchen an Pilgerwegen sind geöffnet, sie sind Gasthäuser am Weg. Dort sind Sie ein¬geladen, einzukehren, innezuhalten und neue Kraft zu schöpfen. Wenn Sie nicht allein pilgern wollen, können Sie sich einer Pilgergruppe anschließen.
Sie finden in diesem Übersichtsplan sowohl Pilgerwege als auch Gruppen, die für alle offen stehen. Man muss nicht bereits religiös sein, um zu pilgern, man kann aber damit rechnen, dass man es unterwegs wird ...
'Unterwegs wird mir klar,
dass ich ohne Vertrauen nicht lebensfähig wäre. Denn ich verlasse mich darauf, dass der Weg mich trägt, dass die Wegweiser nicht lügen, dass meine Kräfte ausreichen, dass am Ende ein Ziel wartet. '